Automatische Faxumschalter
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Automatische Faxumschalter
Das Betreiben eines Faxgeräts und eines anderen Endgeräts am gleichen Telefonanschluss, führt zu einem kleinen Problem: Wenn das Faxgerät auf automatischen Empfang eingestellt ist, übernimmt es jeden eingehenden Anruf, gleichgültig ob es sich um einen Fax- oder um einen Telefonanruf handelt. Ein Anrufer hört dann statt einem freundlichen „Hallo“ den schrillen Ton des Faxgeräts im Hörer. Wenn man das Faxgerät auf manuellen Empfang einstellt, muss man bei einem Faxanruf zu Hause sein und das Gerät durch einen Tastendruck aktivieren. Auf diese Weise ist man nicht ständig per Fax erreichbar und dies ist in der Regel kein zufriedenstellender Zustand. Man benötigt also ein Gerät, welches bei einem ankommenden Anruf erkennt, ob es sich um einen Telefonanruf oder um einen Faxanruf handelt. Wenn dies erkannt ist, soll der Anruf automatisch auf das entsprechende Endgerät geschaltet werden. Genau dies ist die Funktion eines automatischen Faxumschalters. Da hier noch ein bisschen mehr dahintersteckt, will ich auf den folgenden Seiten etwas näher auf die Funktion, die Vor- und Nachteile und auf Problematiken von Faxumschaltern eingehen. Dieses Thema ist im Hinblick auf ISDN besonders interessant, weil es bei ISDN diese Probleme nicht gibt und so auch gewisse Vorteile von ISDN deutlich werden. Automatische Faxumschalter sind als separate Geräte erhältlich oder sie sind in einem Faxgerät oder in einem Telefon/Fax-Kombigerät bereits integriert. Ich will hier das eigenständige Gerät Faxumschalter beschreiben und nicht das in einem Kombigerät eingebaute Modul, obwohl beide natürlich auf die gleiche Weise funktionieren.
Es gibt von verschiedenen Firmen die unterschiedlichsten Ausführungen von externen Faxumschaltern. Stellvertretend soll hier ein Variante beschrieben werden, die zugleich die Funktionen eines AMS 1/2 erfüllt, bei dem man also zwei Telefone anschließen kann.
Installation eines Faxumschalters
Die Anschlussleitung ist mit einem N-kodierten TAE-Stecker versehen, das Gerät kann also z.B. an eine bereits installierte TAE-NFN-Dose angeschlossen werden. Am Faxumschalter selbst sind zwei N-kodierte TAE-Buchsen zum Anschluss eines Anrufbeantworters und eines Faxgeräts und eine F-kodierte TAE-Buchse für ein Telefon integriert. Wenn man zwei Telefone betreiben will, wird ein weiterer Apparat an der TAE-NFN-Dose eingesteckt. Neben der in Abbildung 5.44 gezeigten Installation sind weitere Varianten (auch Klemmenverdrahtungen) möglich.
Abbildung 5.44: Installation eines Faxumschalters
Prinzipielle Funktion eines Faxumschalters
Die beiden Telefone (Abbildung 5.44) können auf die gleiche Weise genutzt werden, wie bei einem AMS 1/2. Der Apparat, bei dem bei einem ankommenden Telefonanruf zuerst der Hörer abgehoben wird, bekommt das Gespräch. Dieses kann zum anderen Telefon weitergegeben werden usw. Das Hauptmerkmal eines Faxumschalters ist, dass er erkennen kann, ob ein ankommender Anruf von einem Faxgerät ausgeht oder von einem Telefon. Mit anderen Worten, das Gerät kann unterscheiden, ob es sich um einen Faxanruf oder um einen Telefonanruf handelt. Ist dies erst einmal erkannt, gibt der Faxumschalter den Anruf auf das entsprechende Endgerät. Kommt also ein Fax rein, wird der Anruf auf das angeschlossene Faxgerät geschaltet; das Telefon läutet dabei nicht. Kommt ein Telefongespräch rein, klingelt entsprechend das oder die Telefon(e). Wenn niemand abhebt und es ist ein Anrufbeantworter angeschlossen, übernimmt dieser dann den Anruf nach einer voreingestellten Zeit.
Wie erkennt der Faxumschalter, um was für einen Anruf es sich handelt?
Um zu erkennen, ob es sich bei einem ankommenden Ruf um ein Telefonanruf oder um einen Faxanruf handelt, muss der Faxumschalter zunächst den Anruf annehmen. Hier schon einmal der Hinweis, dass dies bei ISDN schon vor dem Annehmen eines Gesprächs festgestellt werden kann. Ein ISDN-Telefon, das an der gleichen Nummer wie ein Faxgerät betrieben wird, läutet bei einem ankommenden ISDN-Faxanruf nicht. Das Telefon weiß bereits vor dem Annehmen des Gesprächs, dass der Anruf nicht für ein Telefon bestimmt ist.
Zurück zur analogen Technik: Erst wenn ein Anruf angenommen wurde, wenn der Faxumschalter also „den Hörer abgenommen hat“ kann er feststellen, ob auf der anderen Seite ein Faxgerät auf eine Übertragung wartet oder ob es sich um einen Teilnehmer an einem Telefon handelt. Faxgeräte, die eine Nachricht senden wollen, geben in kurzen Abständen einen Erkennungston mit bestimmter Frequenz auf die Telefonleitung. Wenn der Faxumschalter diesen Ton feststellt, geht er davon aus, dass es sich am anderen Ende um ein Faxgerät handelt und leitet den Anruf auf die TAE-Buchse, die für das Faxgerät vorgesehen ist (vgl. Abbildung 5.44). Das Faxgerät muss auf automatischen Empfang eingestellt sein. Wenn dies so ist, übernimmt dann das Faxgerät die Leitung und die Übertragung beginnt.
Bei jedem eingehenden Anruf nimmt der Faxumschalter also den Anruf an und dies meist schon nach sehr kurzer Zeit. Die angeschlossenen Telefone läuten zunächst noch nicht. Der Anrufer, falls es ein Anrufer ist und kein Faxgerät, merkt natürlich, dass hier sofort das Gespräch angenommen wurde. Damit dieser es nun nicht einfach mit einer „stummen“ Leitung zu tun hat, wird er, je nach Art des Faxumschalters, gebeten zu warten oder er hört einen Ton, der sich so ähnlich anhört wie der Rufton der Vermittlungsstelle. Ich hatte auch einmal einen Faxumschalter. Dieser hatte ein elektronisches Stimmenmodul und der Anrufer hörte immer den Satz: „Bitte warten, Sie werden verbunden!“ In dieser Zeit hat der Faxumschalter festgestellt, ob es sich um einen Faxanruf handelte oder um einen Telefonanruf. Erst als der Umschalter eindeutig erkannt hatte, dass es sich um einen Telefonteilnehmer handelte, leitete er den Anruf auf die Telefone und erst dann haben diese geläutet. Bei einem ankommenden Faxanruf läuteten die Telefone nicht, und so soll es ja auch sein.
Hier nochmals der Hinweis, dass bei kombinierten Telefon-Faxgeräten und auch bei manchen analogen Telefonanlagen solche automatischen Faxumschalter bereits eingebaut sind.
Und noch ein Hinweis: Modems geben sich bei einem Anruf auf ähnliche Weise zu erkennen wie Faxgeräte. Wenn das Gerät dafür vorgesehen ist, kann mit der Technik von Faxumschaltern deshalb auch ein Modemanruf erkannt werden. Umschalter die Telefonanruf, Faxanruf und Modemanruf unterscheiden können, werden z.B. unter dem Namen „Fax-/Modem-Manager“ angeboten.
Nachteile von Faxumschaltern
Das alles hört sich ja so an, als bräuchte man überhaupt keine zweite Nummer für ein Faxgerät. Nun, dem ist eigentlich auch so, allerdings hat der automatische Faxumschalter auch Nachteile:
- Bei einem Telefonanruf wird dem Anrufer immer mindestens eine Tarifeinheit berechnet, auch dann, wenn überhaupt niemand zu Hause ist. Wie schon erwähnt, prüft der Faxumschalter bei jedem Anruf ob es sich um einen Faxanruf handelt oder nicht. Um dies festzustellen, muss der Anruf angenommen werden, was bedeutet, dass dem Anrufer Verbindungskosten berechnet werden. Hier erweist es sich als sinnvoll, einen Anrufbeantworter zu betreiben. Wenn dem Anrufer schon eine Einheit berechnet wird, sollte er wenigstens die Möglichkeit haben, eine Nachricht zu hinterlassen.
- Der Faxumschalter kann ein Faxgerät als Anrufer nur dann erkennen, wenn sich das Gerät auf der anderen Seite der Leitung auch als Faxgerät zu erkennen gibt. Dies tun in aller Regel nur solche Faxgeräte mit eigener Wähleinrichtung. Die Erkennung geschieht, wie schon erwähnt, durch einen Ton mit bestimmter Frequenz. Faxgeräte ohne eigene Wähleinrichtung wurden im Abschnitt 5.3.3 bereits beschrieben. Bei diesen, meist älteren Geräten, muss man mit dem Telefon die Nummer des anderen Faxgeräts wählen und dann den Startknopf zur Faxübertragung drücken, sobald sich das andere Gerät mit dem schon erwähnten schrillen Ton meldet. Der Faxumschalter erkennt natürlich nicht, ob der Anrufer auf der anderen Seite darauf wartet den Startknopf eines Faxgeräts zu drücken, für ihn ist der andere Teilnehmer ein Telefon und das entspricht ja auch den Tatsachen. Somit schaltet der Umschalter einen solchen Anruf auf das Telefon. Natürlich kann man dann den Empfang einer Faxnachricht manuell starten, automatisch funktioniert der Faxumschalter aber eben nur, wenn das anrufende Faxgeräte einen Erkennungston auf die Leitung gibt.
- Der wohl offensichtlichste Nachteil beim Einsatz von Faxumschaltern ist der, dass man während einer Faxübertragung nicht telefonieren kann bzw. während eines Telefongesprächs per Fax nicht erreichbar ist. Für den Privatgebrauch ist dies akzeptabel, bei Firmen schon eher unerwünscht, dort wird man sich für eine eigene Faxnummer oder besser noch für ISDN entscheiden.
- Die Rufnummernanzeige wird in der Regel nach einem Faxumschalter nicht funktionieren (siehe Abschnitt 5.3.7).
Den Faxumschalter überlisten
An einem Ton mit bestimmter Frequenz erkennt also der Umschalter ein Faxgerät. Was nun, wenn man als Anrufer diesen Ton irgendwie anders erzeugt oder einen ähnlichen Ton erzeugt? Nun dann passiert genau das, was man vermutet, man wird mit dem Faxgerät verbunden. Mein Freund Sahnemichel (namentlich Franz Josef Ehm) hat sich früher öfter einen Spaß daraus gemacht auf eine bestimmte Art zu pfeifen, als er mich bzw. meinen Faxumschalter anrief. Wenn er es darauf angelegt hat, ist es ihm fast immer gelungen den Faxumschalter zu überlisten und mit dem Faxgerät verbunden zu werden. Sie wollen jemandem ein Fax schicken, der einen automatischen Faxumschalter hat und Sie haben ein Faxgerät ohne eigene Wähleinrichtung. Versuchen Sie es mit Pfeifen! Schauen Sie sich aber vorher um, ob niemand in der Nähe ist. Die Erklärungen dafür, warum Sie ins Telefon pfeifen, könnten nämlich langwierig sein. Außerdem erfordert die Situation ein gewisses technisches Verständnis des anderen. Um sich die Erläuterungen zu ersparen können Sie natürlich auch auf dieses Buch verweisen. :-)
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Mit Genehmigung von Dr.-Ing. Hubert Zitt und Pearson Education Deutschland GmbH.
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ISDN und DSL für PC und Telefon - ISBN 3-8272-6630-0

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