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Telefonanschluss heute

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Inhaltsverzeichnis

APL

Bild:ISDN ZITT 04_01.gif

Abbildung 4.1: Standardtelefonanschluss


Der APL (Abschlusspunkt des allgemeinen Leitungsnetzes) ist der Kasten, der heute meist im Keller sitzt (früher wurde er außen montiert) und in den ein etwas dickeres Fernmeldekabel endet. Einen APL sollte es in jedem Haus geben, egal ob in diesem Haus ein Telefon angemeldet ist oder nicht. Früher hieß der APL übrigens EV oder EVZ für Endverzweiger. Der APL hat heute meist eine rechteckige Form, es gibt jedoch auch noch APLs in Form einer Glocke. In Abbildung 4.2 wird ein APL eines Einfamilienhauses gezeigt.

Bild:ISDN ZITT 04_02a.jpg

Abbildung 4.2: APL (Abschlusspunkt des allg. Leitungsnetzes) in einem Einfamilienhaus


Telefonleitungen

Bild:ISDN_ZITT_04_03.jpg

Abbildung 4.3: Vieradrige Telefonleitung (Telekom-Leitung)


Vom APL aus wird eine meist vieradrige Telefonleitung in den Wohnbereich verlegt, wo eine TAE-Dose installiert wird. Von den vier Adern werden, wie in Abbildung 4.1 zu sehen ist, nur zwei Adern angeschlossen. Eine vieradrige Telefonleitung der Telekom ist in Abbildung 4.3 abgebildet. Die einzelnen Adern sind bei dieser Leitung mit schwarzen Ringen kodiert.

Die vier Adern sind innerhalb des Leitungsmantels verseilt, also miteinander verdrillt. Die Form dieser Verseilung wird Sternvierer genannt. Der Sternvierer ist so angeordnet, dass sich die zusammengehörenden Adernpaare immer gegenüberliegen. Ein zusammengehörendes Adernpaar wird auch als Doppelader (DA) bezeichnet. Zur ersten Doppelader gehören die Adern ohne Ringe und die mit einem Ring (in Abbildung 4.4 mit a1 und b1 bezeichnet). Die zweite Doppelader besteht aus den Adern, die mit je zwei Ringen gekennzeichnet sind. Für eine Doppelader liest man in der Literatur manchmal auch die Begriffe Strang oder Stamm.

Bild:ISDN_ZITT_04_04.gif

Abbildung 4.4: Sternvierer bei Telekom-Leitungen


Bei einem normalen Telefonanschluss wird die erste Doppelader verwendet, also die Adern ohne Ring und mit einem Ring. Die zweite Doppelader kann dann z.B. für einen weiteren Telefonanschluss genutzt werden. Eine falsche Verwendung der einzelnen Adernpaare bewirkt eine drastische Verschlechterung der Übertragungsqualität der Leitung. Noch gravierender leidet die Übertragungsqualität, wenn man Leitungen verwendet, bei denen die Adern überhaupt nicht verseilt sind, wie z.B. bei Leitungen, die für klassische Türsprechanlagen vorgesehen sind. Verwenden Sie für die Installationen also stets dafür vorgesehene Leitungen*1.

Wenn ich Telefonleitungen verlege, verwende ich meistens Leitungen mit acht oder mit 12 Adern. Die Erfahrung zeigt, dass man irgendwann froh darüber sein wird. Auch wenn Sie heute denken, dass Sie ihren Telefonanschluss sicherlich nicht erweitern werden. Wer weiß schon, was in ein paar Jahren sein wird. Verlegen Sie also lieber ein paar Adern zu viel als zu wenig. Um nur ein Beispiel zu nennen: Als ich die Erstauflage dieses Buches geschrieben habe, gab es noch kein DSL. Heute, ein paar Jahre später, ist DSL schon fast zum Standard für einen Internetzugang geworden. Und für DSL benötigt man nun mal Leitungen.

Telekom-Leitungen mit mehr als vier Adern bestehen aus zwei oder mehreren Sternvierern, die wiederum zu einem sog. Bündel verseilt sind. Die Isolierungen der Adern eines Sternvierers haben alle eine gemeinsame Grundfarbe. Die vier Adern des ersten Sternvierers sind rot, die des zweiten grün, die des dritten grau usw. Dies ist ansatzweise in Abbildung 4.2 zu erkennen. Bei der Bezeichnung von Telefonleitungen werden bestimmte Abkürzungen verwendet. Ein gebräuchlicher Typ ist zum Beispiel J-Y(St)Y 4x2x0,6. Die Abkürzung J steht für Installationsleitung, Y für eine PVC-Adernisolierung, St bedeutet, dass um die Adern ein statischen Schirm (Metallfolie) gewickelt ist und das letzte Y steht für PVC als Material für den Mantel. Die Anzahl der Adern ist stets paarweise angegeben, hier 4x2, es handelt sich also um eine 8adrige Leitung. Die letzte Zahl bezeichnet den Aderndurchmesser*2, hier 0,6 mm. J-Y(St)Y 4x2x0,6 ist eine 8adrige Standard-Telefonleitung, wie man sie in jedem Baumarkt kaufen kann. Für weitere Informationen zu den Leitungstypen verweise ich auf VDE 0815. (Das ist kein Scherz!) Eine Internetrecherche führt hier schnell zum Ziel.

Bei dem Leitungstyp J-Y(St)Y sind die einzelnen Adern farbig kodiert. Bei der ersten Doppelader ist die a-Ader rot und die b-Ader blau isoliert. Alle weiteren a-Adern sind weiß. Die weitere Reihenfolge der b-Adern ist gelb, grün, braun und schwarz. Diese fünf Adernpaare bilden ein Bündel, das mit dem Adernpaar rot/blau zusammengebunden ist. Hat die Leitung mehr als zehn Adern folgt nun ein Adernpaar weiß/blau und dann wieder weiß/gelb, weiß/grün usw. Auf diese Weise sind stets Bündel mit fünf Doppeladern zusammengefasst. Das zweite Bündel ist mit dem zweiten Adernpaar zusammengebunden, also mit weiß/gelb, das dritte Bündel mit dem dritten Adernpaar usw. Bei achtadrigen Leitungen fehlt das Adernpaar weiß/schwarz. Um zu erkennen, welche Adern zusammengehören, muss man die Leitung mindestens 20 cm abmanteln (die äußere Isolierung entfernen) und dann die Adernpaare vorsichtig voneinander trennen.

Bei 4adrigen J-Y(St)Y-Leitungen gibt es, vermutlich aus historischen Gründen, eine Ausnahme bei den Adernfarben. Die 4adrigen Leitungen haben eine rote, eine schwarze, eine weiße und eine gelbe Adernisolierung.

J-Y(St)Y-Leitungen wurden früher von Fernmeldetechnikern einfach nach ihrem Hersteller benannt, nämlich nach der Firma Siemens. Für 4adrige J-Y(St)Y-Leitungen habe ich die Bezeichnung Siemens-Leitung für dieses Buch einfach übernommen. In Tabelle 4.1 sind die Adernbezeichnungen der genannten Leitungstypen nochmals zusammengefasst.


Bild:ISDN_ZITT_04_04a.jpg

Tabelle 4.1: Adernkodierung bei Telefonleitungen


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TAE-Dosen

Die Dose zum Anschluss eines Telefons heißt im Fachjargon Telefon-Anschluss-Einheit, abgekürzt mit TAE. TAE-Dosen werden aber auch zum Anschließen von anderen Endgeräte wie Anrufbeantworter, Faxgeräte, Einheitenzähler, Modems usw. verwendet. In Abbildung 4.5 werden verschiedene TAE-Dosen gezeigt, auf die ich noch im einzelnen eingehen werde.

Bild:ISDN_ZITT_04_05.jpg

Abbildung 4.5: Verschiedene TAE-Dosen

Das Adernpaar La und Lb

Zum Telefonieren benötigt man, wie bereits erwähnt, zwei Adern (eine Doppelader) einer mehradrigen Leitung. Diese beiden Adern müssen vom APL aus auf dem ersten und dem zweiten Kontakt der TAE-Dose aufgelegt werden. Die Leitungen heißen bei Telekom a und b bzw. La und Lb, wobei La auf Kontakt 1 aufgelegt wird und Lb auf Kontakt 2. Für La wird bei Telekom-Leitungen die Ader ohne schwarze Ringe verwendet, bei Siemens-Leitungen die rote Ader. Für Lb ist es üblich, die Ader mit einem Ring zu benutzen und bei Siemens-Leitungen die schwarze. Die beiden übrigen Adern werden bei einem Standardanschluss nicht benötigt. Man kann sich leicht vorstellen, dass diese sehr nützlich sein können, wenn man zum Beispiel einen zweiten Anschluss für ein Faxgerät beantragt. Manchmal ist es auch nötig, weitere Adern aufzulegen. Mehr dazu später. Wenn alles ordnungsgemäß angeschlossen ist, liegt La auf Kontakt 1 und Lb auf Kontakt 2 der TAE-Dose. Sie hätten ja aber dieses Buch nicht gekauft, wenn sie nicht vorhätten, selbst Änderungen an ihrer Telefonanlage vorzunehmen. Somit wird es also auch andere Leute geben, die selbst Änderungen an den Telefonleitungen vorgenommen haben. Diese Leute hatten vielleicht nicht dieses (gute und anschauliche ☺) Buch und somit könnte es sein, dass sie La und Lb vertauscht haben. Auf diese sog. a/b-Vertauschung will ich später noch näher eingegangen. Welche Ader nun La und welche Lb ist, kann man nachmessen. Das Telefonnetz funktioniert mit Gleichspannung. Ein Voltmeter (im Gleichspannungsbereich) zeigt je nach Polung zwischen La und Lb ca. +60 Volt bzw. –60 Volt an. Dabei liegt Lb auf Erdpotential und La etwa auf minus 60 Volt. Eine Spannungsmessung (im Gleichspannungsbereich) zwischen La und dem Schutzkontakt einer Steckdose (einer der beiden sichtbaren Metallzapfen) müsste also etwa –60 Volt anzeigen, eine Spannungsmessung zwischen Lb und dem Schutzkontakt einer Steckdose müsste 0 Volt anzeigen. Auf den Punkt gebracht: Die Leitung, an der man minus 60 Volt misst, ist La. In Abbildung 4.6 wird eine solche Messung gezeigt.

Bild:ISDN_ZITT_04_06.jpg

Abbildung 4.6: Spannungsmessung zwischen La und dem Schutzkontakt einer Steckdose


Achtung: Bei einem ISDN-Anschluss kann die Spannung zwischen La und Lb bis zu 100 Volt betragen. Auch bei ISDN liegt Lb auf Erdpotenzial, das heißt, man misst mit einem Voltmeter zwischen Lb und dem Schutzkontakt einer Steckdose keine Spannung. Bei meinem ISDN-Anschluss habe ich an La gegen Erdpotenzial eine Spannung von minus 96,8 Volt gemessen. Eine solche Spannung ist für Menschen nicht mehr unbedenklich. Meiden Sie es deshalb, die Adern direkt zu berühren!

PPA

An die Klemmen 1, 2 und 6 der TAE-Dose schließt der Telekom-Monteur noch einen PPA (Passiver Prüf-Abschluss) an. In Abbildung 4.7 wird eine TAE-Dose mit PPA und angeschlossenen Adern an den Klemmen 1 und 2 gezeigt. Aus Abbildung 4.9 geht hervor, dass der Anschluss des PPA an Klemme 6 (rechts außen) nur der Befestigung dient.

Bild:ISDN_ZITT_04_07.jpg

Abbildung 4.7: TAE-Dose mit PPA


Der PPA beeinflusst überhaupt nicht die Funktionalität des Telefonnetzes, mit anderen Worten, man könnte ihn auch weglassen. Natürlich hat der PPA auch seine Daseinsberechtigung, nämlich dann, wenn der Telefonkunde eine Störung meldet. Mit Hilfe des PPA kann nämlich die Telekom (oder ein anderer Netzbetreiber) sehr schnell feststellen, ob die Störung im Telefonnetz liegt oder in der Anlage des Telefonkunden, sprich nach dem PPA. Bis zum PPA unterliegt die Funktionalität des Netzes dem Netzbetreiber, nach dem PPA dem Telefonkunden. Die TAE-Dose mit dem PPA heißt deshalb auch Netzabschluss oder Network Termination Analog, abgekürzt mit NTA. Falls mehrere TAE-Dosen installiert werden, wird ein PPA nur in die (vom APL aus gesehen) erste TAE-Dose eingebaut. Im Fachjargon nennen die Techniker den NTA oft einfach „1. TAE-Dose“. Bei einer Störung wird von der Telekom (dem Netzbetreiber) zunächst von der Vermittlungsstelle aus die Leitung bis zum Telefonkunden durchgemessen. Um die Vorgehensweise beim Messen der Leitung zu verstehen, ist es hilfreich, das Innenleben eines solchen PPA zu zeigen (Abbildung 4.8). In Abbildung 4.9 wird ein PPA schematisch gezeigt.

Bild:ISDN_ZITT_04_08.gif

Abbildung 4.8: Innenleben eines PPA


Bild:ISDN_ZITT_04_09.gif

Abbildung 4.9: Innenleben eines PPA schematisch


Es folgt jetzt ein kleiner Ausflug in die Elektronik. Die folgenden Zeilen sind für das weitere Verständnis des Buches nicht von essentieller Bedeutung, Sie können sie also auch überspringen. Normalerweise liegt La auf minus 60 Volt und Lb auf Erdpotential. Dies bedeutet, dass die Diode sperrt und der PPA keinerlei Bedeutung hat. Beim Nachmessen der Leitung vertauscht die Telekom in der Vermittlungsstelle La und Lb und misst dann den Widerstand der Leitung. Nach dem Vertauschen kann durch die Diode Strom fließen und die Leitung kann durchgemessen werden. Wenn aus dieser Messung ein zu erwartender Wert (ca. 470 kΩ plus dem Leitungswiderstand) resultiert, geht die Telekom davon aus, dass der Fehler nicht im Telefonnetz, also nicht in ihrem Zuständigkeitsbereich, liegt. Für die Telekom ist damit der Fall erledigt, denn für eventuelle Fehler in der Anlage nach dem PPA ist der Telefonkunde selbst zuständig.

Telefon-Minimalanschluss

Nach diesem kurzen technischen Ausflug wieder zurück zu unserem Monteur der unseren Telefonanschluss gelegt hat. Vom APL aus wurde also eine Leitung zur TAE-Dose im Wohnbereich gelegt und ein PPA wurde an die TAE-Dose angeschlossen. Das Einfachste ist jetzt natürlich, so wie es in Abbildung 4.10 dargestellt ist, den Stecker eines Telefons in diese TAE-Dose zu stecken und zu telefonieren.

Bild:ISDN_ZITT_04_10.gif

Abbildung 4.10: Telefon an einer TAE-Dose mit PPA


So wie es in Abbildung 4.10 gezeigt wird, sieht in der Regel der herkömmliche Telefonanschluss (POTS) im privaten Bereich aus. Statt des Telefons wird bei einem ISDN-Anschluss ein NTBA an die TAE-Dose angeschlossen. Mehr dazu im Teil II dieses Buches. Bei der Nutzung von DSL muss ein Splitter an der TAE-Dose angeschlossen werden. Hierzu mehr im Teil IV.

Vielleicht sind bei einem bereits bestehenden analogen Telefonanschluss auch mehrere TAE-Dosen und mehrere Endgeräte installiert. Bevor wir uns mit dem Ausbau eines solchen Anschlusses mit weiteren TAE-Dosen oder Umschaltern usw. beschäftigen, will ich noch auf die a/b-Vertauschung eingehen und auf das Thema: Wer darf TAE-Dosen installieren?


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Mit Genehmigung von Dr.-Ing. Hubert Zitt und Pearson Education Deutschland GmbH.
Copyright © by Markt+Technik Verlag, ein Imprint der Pearson Education Deutschland GmbH
ISDN und DSL für PC und Telefon - ISBN 3-8272-6630-0

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